Johannes Lecküchner - der fechtende Pfarrer

Bemerkung : Folgender Artikel wird, je nach Kenntnisstand weiter ergänzt.

Eine der umfangreichsten Abhandlungen über das Fechten mit dem langen Messer wurde von Johannes Lecküchner [1] verfaßt.

Johannes Lecküchner war Geistlicher und vermutlich Fechtlehrer [10], der im 15. Jahrhundert im Raum Nürnberg gelebt hat. Von ihm sind zumindest einige Fakten über seine Karriere als Priester bekannt [12].

Im Sommersemester 1455 schreibt er sich in das Matrikelverzeichnis der Universität Leipzig ein [2], um 2 Jahre später, am 17. September 1457 den 1. akademischen Grad ( Baccalaureus[13] ) zu erhalten [3].

In Bamberg, am 22. September 1459 erhält Lecküchner die Weihe zum Akolythen[4].

1478, am 30 Juni schreibt er sich für das Sommersemester bei der Universität Heidelberg ein [5]. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Priester [4].

Kurze Zeit später nimmt er das Amt des Pfarrers in Herzogenaurach an, da sein Vorgänger Pfarrer Johann Berger auf die Pfarrei verzichtete [6]. Lange war es Lecküchner nicht vergönnt dieses Amt auszuüben, da er bereits am 31. Dezember 1482 starb [7].

In diesem Zeitraum stellt er auch sein Messerfechtbuch fertig ( Vorabend des Tags des hl. Sebastian 1482 = 19. Januar [8] ), das er dem Pfalzlandgrafen Philip widmet [9]. Aus dem lateinischem Schlußabsatz [8] wird allerdings deutlich, daß er bereits 1478 ein Konzept für das Buch erstellt haben muß.

Lecküchner hat sein Buch Kurfürst Philipp(1448 -1508) gewidmet[15]. Allerdings konnte er scheinbar sein Werk dem Fürsten nicht mehr persönlich überreichen und es wurde später vom Superintendent Johann Tettelbach an den Pfalzgrafen Philipp Ludwig (1547-1614) übergeben. ( 24. August 1579 )

Neben dem Exemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek ( cgm582 ) existieren noch eine weitere, unillustrierte Handschrift in der Universitätsbiliothek Heidelberg ( cpg430 [16]), die als Archetypus angesehen wird [10][11].

CL und JL

Quellenverzeichnis:

[1] Das Quellenstudium zeigt, daß die Schreibweise des Namens Lecküchner nicht einheitlich ist. So tauchen neben Lecküchner, auch die Versionen Lekucheler, Leckkochner, Leckuchner, Lekurchner, Lebküchner auf. ( siehe auch Johannes. Kist, Die Matrikel der Geistlichkeit des Bistums Bamberg 1400-1556, Nr. 3879 )

[2] Matrikelverzeichnis der Universität Leipzig (UAK, Rektor M1)

Leibzig Einschreibung

oder G. Erler , Die Matrikel der Universität Leipzig, Band 1, Seite 194

[3] Matrikelverzeichnis der Universität Leipzig (UAK PhckRak B1)

Leibzig Abschluss

oder G. Erler , Die Matrikel der Universität Leipzig, Band 2, Seite 169

[4] Johannes Kist, Die Ordinarien des Bistums Bamberg von 1436 bis 1470. In: Archiv für Sippenforschung . 13 Jahrhundert (1936) Seite 244 Nr. 840

[5] Gustav Toepke, Die Matrikel der Universität Heidelberg von 1386-1662. Heidelberg 1884 1. Band Seite 357.

Rectoratus magistri Hugonis Zoller de Veltkirch, sacre theologie baccalarij formati, electi in vigilia Johannis baptiste anno a Christi natiuitate 1478.

...

Johannes Leckurchner de Nurenperga, presbiter Babenperg[14]. hyoc., die Junij ultima.

[6] Nürnberger Briefbuch, Staatsarchiv Nürnberg Nr. 36 Blatt 255v, Nr. 38 Blatt 110v

Nürnberger Briefbuch

[7] Johannes Kist, Die Matrikel der Geistlichkeit des Bistums Bamberg 1400-1556, 1. c. Nr 3879

3879. Leckuchner (Leckkochner, Lekurchner) Johann von Nürnberg. Wurde in Leibzig immatrikuliert 1455 SS und bacc.art. 1457 SS. In Bamberg empfing er die niederen Weihen 1459 September 22. Bei seiner Immatrikulation in Heidelberg 1478 Juni 30 war er bereits Priester. Er wurde aud die Pfarrei Herzogenaurach präsentiert 1480 März 15 und starb im Besitze dieser Pfarrei 1482 Dezember 31.

[8] cgm582, Bayerische Staatsbibliothek, 216 r

Composita Est materia illa per domine Johannes Lecküchner
tunc tempore plebanus In hertzogaurach Anno domini M cccc
septuagesimo otcano sed iste librum scriptum est et completud
Anno 8 secundo In vigilia sancti Sebastiani etc

Der Gegenstand ist von mir, Johannes Lecküchner,
derzeit Pfarrer in Herzogenaurach im Jahr des Herrn 1478
erstellt worden. dieses Buch aber wurde geschrieben und fertiggestellt
im Jahre des Herrn 1482 am Vorabend des heiligen Sebastian.

[9] cgm852, Bayerische Staatsbibliothek, 1a

[10] Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 18, S. 108

[11] Meister Johann Lichtenauers Kunst des langen Schwertes, Hans-Peter Hils, ISBN 3-8204-8129-X

[12] Die katholischen Pfarrer von Herzogenaurach, Erik Sonder von Güldenstubbe, erschienen im Heimatbuch der Stadt Herzogenaurach, Bamberg 1978

[13] Baccalaureus : aus "Gerhard Köbler, Deutsches Etymologisches Wörterbuch, 1995":


baccalaureus, lat., M., >>seit dem 13. Jh.
unterster akademischer Grad<<, Lw. mlat.
baccalarius, M., >>Knecht, Lehrling<<, Lw.

siehe auch Grundbegriffe der Mediävistik (Universitäten) , Tutorium "Mittelalterliche Geschichte" von Prof. Dr. Thomas Frenz (Dozent an der Universität Passau - Philosophische Fakultät), Passau 2002

Ein Studium auf einer Universität war sehr teuer und mußte vom Studierenden selbst finanziert werden.

[14] Bistum Babenperg steht für Bistum Bamberg: Aus Wikipedia : "Bamberg wurde im Jahr 902 als Sitz des Geschlechts der Babenberger erstmals genannt (Castrum Babenberg). 1007 erfolgte die Gründung des Bistums durch Kaiser Heinrich II."

[15] cgm582 1r

Das ist hern hansen Lecküchner von Nurenberg künst vnd zedel
ym messer dy er selbs gemacht vnd geticht hatt den Text
vnd dy auslegung dar vber Dem hochgeporen fursten vnd
heren Hertzogen philippen phaltzgraffen bey reyn Erzdruckseß
vnd kurfürst vnd hertzog yn bayern etc

[16] cgm430 Universitätsbibliothek Heidelberg

Vergleicht man cpg430 und cgm582 erkennt man ganz deutlich, daß es sich bei cpg430 um das Konzeptmanuskript für cgm582 handelt. Über weite Strecken sind die Sprüche und Glossen gleich, aber immer wieder sind Textstellen zu finden, die leicht verändert in das spätere Exemplar eingegangen sind. Lecküchner hat auch neue Techniken in cgm582 ergänzt, die in cpg430 keine Erwähnung finden.

Interessant ist auch, daß obwohl beide Exemplare von der gleichen Hand geschieben wurden, daß sich die Schreibweise einiger Worte stark unterscheidet.