Disziplinen

In den Fechtbüchern wird eine ganze Reihe verschiedener Kampftechniken behandelt. Während sich die Liechtenauerlehre zu Anfang vor allem auf das Lange Schwert beschränkt, gesellen sich schon in den frühen Fechtbüchern weitere Waffen und Disziplinen hinzu. Zu nennen wären beispielsweise: das Lange Messer, das Kampffechten im Harnisch (mit Spieß, Halbschwert und Dolch), das Rossfechten mit Schwert und Lanze, der Dolch („Degen“), die Kombination von Einhandschwert und Buckler sowie natürlich das Ringen. Später werden diese um Stange, Mordaxt, Hellebarde („Helmbarte“), Rapier, Dusack und sogar Sense, Sichel und Knüppel ergänzt. Einige Fechtbücher behandeln auch den ungleichen Kampf verschiedener Waffen gegeneinander.

Bei Ochs werden folgende Disziplinen unterrichtet:

Langes Schwert

Bild eines Langen SchwertsZwei Langschwerfechter im FechtbuchDer Begriff „Langes Schwert“ bezieht sich ursprünglich auf die „lange“, d.h. zweihändige Führungsweise des Schwertes und wird erst später zur Bezeichnung der Waffe an sich. Für die zweihändige Führungsweise muss der Griff beiden Händen genug Platz zum Greifen bieten (im Gegensatz zum sog. „Anderthalbhänder“), also mindestens etwa 20 cm oft jedoch über 30 cm lang sein. Verwendet wurden Zweihandschwerter vom 14. bis ins beginnende 17. Jahrhundert. Anfangs beträgt die Klingenlänge nur knapp 100 cm – bei einem Gewicht von meist nur 1 bis 2 kg. Ab dem 15. Jahrhundert werden die Schwerter immer länger und schwerer. Diese Entwicklung führt zu den „Schlachtschwertern“ der Landsknechtzeit und endet in den barocken Paradierschwertern des späten 16. Jahrhunderts, die als Repräsentationswaffen teilweise nicht mehr für den Kampfgebrauch gedacht waren.

Training mit dem Langen SchwertDas Bloßfechten (ohne Rüstung) mit dem Langen Schwert bildet den Schwerpunkt der Liechtenauertradition. Diese Techniken machen anfangs den Großteil der Lehre aus, die nach und nach um andere Disziplinen erweitert wird. Die „Lehre vom Langen Schwert“ untergliedert sich in fünf Meisterhäue und darauf aufbauende Stücke (Techniken), in denen aus verschiedenen Mensuren (Distanzen) das Schwert hauend, stechend, schneidend und in Kombination mit Ringtechniken und Knaufschlägen verwendet wird. Viele dieser Techniken lassen sich auf andere Waffen wie Spieß, Stange und Mordaxt übertragen, weshalb das Lange Schwert als Schulwaffe bis weit in die Neuzeit verwendet wurde.


Halbschwert

Halbschwerttechniken aus dem Gladiatoria FechtbuchBild eines BohrschwertsUnter „Halbschwert“ oder auch „Kurzes Schwert“ versteht man eine spezielle Art das Schwert zu greifen: Die (bei Rechtshändern) linke Hand wird vom Griff genommen und mit ihr die Mitte der Schwertklinge umfasst.

Training von HalbschwerttechnikenHalbschwerttechniken wurden ursprünglich im Harnischkampf verwendet und sind spätestens ab Ende des 14. Jahrhunderts (mit dem Erscheinen des gotischen Plattenharnisches) nachweisbar. Hier geht es darum, auf engem Raum in die Schwachpunkte der gegnerischen Rüstung zu stechen. Das Schwert wird dabei wie ein kurzer Spieß zum Blocken, Hebeln und Stechen verwendet. Im 15. Jahrhundert wird das selbe Schwert abhängig von der verwendeten Kampftechnik als „Langes-“ oder „Kurzes Schwert“ bezeichnet. Nach 1500 scheinen die Langen Schwerter aus dem Bloßfechten zu lang für Halbschwerttechniken zu werden, sodass die Bezeichnung „Kurzes Schwert“ auf die ritterlichen Schwerter übergeht. Seit dem späten 15. Jahrhundert wurden Halbschwerttechniken aber auch im Bloßfechten und mit dem Langen Messer verwendet, insbesondere in Lecküchners Messerfechtkunst.


Langes Messer

Fechter mit Langen Messern aus dem Fechtbuch LecküchnerLanges MesserDas Lange Messer ist eine einhändig geführte Blankwaffe mit einer geraden oder gebogenen Klinge. Kennzeichnendes Merkmal ist neben der durchgehenden „langen Schneide“ eine „kurze“ Rückenschneide (die Rückseite ist nur im oberen Bereich geschärft), sowie ein Parierelement an der Außenseite des Kreuzes (Parierstange). Anfangs handelt es sich um einen einfachen stiftförmigen Rüstnagel, später werden auch Parierringe oder muschelförmige Stichblätter verwendet. Sehr häufig findet sich auch eine messerartige Gefäßgestaltung mit genieteten Griffschalen.

Das Lange Messer taucht im 14. Jahrhundert auf und scheint anfangs die Beiwehr des einfaches Mannes gewesen zu sein („Bauernwehr“). Später bediente sich auch der Adel dieser vielseitigen Waffe, nicht nur im Kampf, sondern auch auf der Jagd. Aus dieser Verwendung entstand schließlich der Hirschfänger, der noch ähnliche Merkmale wie das Lange Messer aufweist.

Der „Dusack“ (auch: „Dussack“, „Dussägge“…) ist eng mit dem langen Messer verwandt: Die aus dem Böhmischen übernommene Bezeichnung (tschechisch: „tesák“ – Fangzahn, auch Hiebmesser) wird anfangs noch als Synonym zum „Langen Messer“ verstanden. Im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts wird das Lange Messer vom Dusack verdrängt. In den Fechtbüchern dieser Zeit zeigt sich der Dusack als oft stärker gebogene und stumpfe Übungswaffe aus Holz oder Leder, die für das entschärfte Hiebfechten der Fechtschulen verwendet wird. Als scharfe Waffe ist die „Dusägge“ in Gebrauch, der sog. „deutsch gefasste Säbel“, welcher weiterhin ein kräftiges Parierelement an der Gefäßaußenseite aufweist.

Training mit dem Langen MesserEine große Bedeutung für die Messerfechtkunst hat Johannes Lecküchner, der die Liechtenauersche Lehre auf das Lange Messer übertrug. Lecküchners Werk (1478 und 1482) ist eines der ausführlichsten Fechtbücher überhaupt. Kampfweise und Techniken des Messerfechtens erinnern schon sehr an das im 16. Jahrhundert entstehende Rapierfechten. Auch das spätere deutsche Hiebfechten weist viele Ähnlichkeiten auf. Von dem Straßburger Fechtmeister Joachim Meyer ist bekannt, dass er seine Rapierlehre zu großen Teilen aus dem Messerfechten entliehen hat. Die Kunst des Messerfechtens scheint also nicht ausgestorben zu sein, sondern hat wohl über verschiedene Wege Einzug in spätere Fechtweisen gefunden.


Dolch

Dolchkampf aus einem FechtbuchScheibendolchDer Dolch wird im Frühneuhochdeutschen als „Tegen“ oder „Degen“ bezeichnet. Es handelt sich um eine fast ausschließlich zum Stich verwendete Waffe mit einer Klingenlänge von 30 cm und mehr. Die Klinge konnte zweischneidig oder im Querschnitt auch drei- und vierkantig sein. Neben dem Hodendolch (Nierendolch) war in der Zeit, mit der wir uns beschäftigen, vor allem der sog. Scheibendolch gebräuchlich, der aus einem runden Griff und einer zwei- oder dreischneidigen Klinge bestand. Anstelle der Parierstange war eine Scheibe angebracht, die die Hand beim Stich vor dem Abrutschen schützte.

In den Techniken der deutschsprachigen Fechtbücher wird der Dolch überwiegend im „Icepick- Griff“ (also mit dem Daumen am Knauf) gefasst und von oben und unten stechend eingesetzt. Daraus resultieren zahlreiche Blöcke und weiterführende Ringtechniken. Die (für modernen Messerkampf ungewöhnliche) Ausgangsstellung mit dem Dolch über dem Kopf scheint sich neben der kraftvollen Biomechanik auch aus mittelalterlichen gesellschaftlichen Normen und einem Rechtsverständnis zu erklären, wonach ein solcher gut sichtbarer Angriff als „ehrlich“ sanktioniert war, hingegen ein versteckter Stich von unten als „heimtückisch“ angesehen und entsprechend juristisch geahndet wurde.

Training mit dem Dolch

(Quelle: Vortrag von Christoph Kaindel: „Fauststraich und Messerzucken. Schlägereien und Messerstechereien im Spätmittelalter“, Wien 2007)


Ringen

Abbildung von Ringen in einem FechtbuchBei den waffenlosen Techniken lässt sich zwischen dem „Kampfringen” und dem „Ringen zu schimpf” (= unterhaltsames Ringen) unterschieden: Ersteres war für den Ernstkampf (mit oder ohne Harnisch) gedacht, während beim Zweiteren der sportliche Wettkampf im Vordergrund stand.

Training im RingenKennzeichnend für die Ringtraditionen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit ist ein schnelles „Zulaufen” in eine enge Distanz, in der der Gegner durch Griffe zu den Armen oder Schultern kontrolliert und wenn möglich zu Boden gebracht wird. Haltetechniken für den Bodenkampf finden sich vor allem im Kampfringen (im Harnisch); ebenso Fußtritte, Schläge und andere harte Techniken, die vor allem zum Einleiten des Leibringens im Ernstkampf verwendet werden. Auf diese „Mordstücke“ oder später „verbotenen Stücke” wird beim sportlichen Ringen (meist) verzichtet: Da der Gegner nicht verletzt werden soll, kommen hier vor allem Würfe und Hebel unmittelbar aus dem „Schloss” (der geschlossenen Ringstellung) zum Einsatz. Ein solcher Kampf scheint in der Regel mit dem Fall eines der Kontrahenten beendet gewesen zu sein. Später (um 1500) finden sich Hinweise auf Ringspiele, wie das „Ringen im Grüblein“ bei dem es scheinbar darum ging, den Fuß des Gegners aus einem markierten Bereich (dem „Grüblein”) zu bringen.

(Quelle: Reiner Welle: „…und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen“. Der Ringkampf als adelige Kunst im 15. und 16. Jahrhundert, Centaurus Verlag 1993)


Rapier

Abbildung eines RapierfechtersRapierDer Rapier ist ein leichtes, meist zweischneidiges Einhandschwert, das sich im Laufe des 16. Jahrhunderts aus Italien kommend auch im deutschsprachigen Raum zunehmend durchsetzt. Anfangs handelt es sich noch um ein Hieb- und Stichschwert, allerdings wird es zunehmend als Stichwaffe („Stoßdegen”) verwendet. Der Begriff Rapier ist etwas missverständlich, da in Italien die entsprechende Waffe nur „spada”, also Schwert genannt wurde. Das Wort „Rapier“ als Name einer eigenen Waffengattung taucht nur in England und Deutschland auf.

Training mit dem RapierIm Training gibt es zwei Strömungen für das Rapierfechten: Zum Einen das stichlastige Rapierfechten nach Salvator Fabris, dessen Lehre im Deutschland des 17. Jahrhunderts extrem populär wurde, und zum Anderen das Rapierfechten nach Joachim Meyer, welches ein Bindeglied zwischen den älteren Fechtweisen und den neueren Stilen des 17. Jahrhunderts darstellt.


Pugilism

Abbildung von zwei PugilistenUnter Pugilism (auch „Bare Knuckle Boxing“) versteht man das alte englische Boxen, wie es im 18. und 19. Jahrhundert noch ohne Handschuhe und ohne Gewichtsklassen ausgeführt wurde. Im Gegensatz zum heutigen Boxen war es im Pugilism auch erlaubt, den Gegner zu ergreifen und zu werfen. Aus diesem Grunde sind die Techniken auch heute noch hervorragend in der Selbstverteidigung einsetzbar.

Training PugilismWichtige Namen sind James Figg (1684-1734) und Daniel Mendoza (1764-1836), die in ihrer Zeit sowohl „englische Meister“ als auch Stil prägende Lehrer waren. Pugilism wird momentan nur am Standort Pfarrkirchen unterrichtet.


Rossfechten

Abbildung des RossfechtensDas Fechten zu Pferd wird in vielen Quellen explizit behandelt und gehörte zur Standardausbildung eines jeden Ritters. Die Beschäftigung mit diesen Techniken erfordert dabei naturgemäß nicht nur die vertraute Handhabung der Waffe, sondern auch den korrekten Umgang mit dem eigenen Reittier.

Grundlagen des Rossfechtens: Aufsitzen
Aufsatz von Alexander Kiermayer (2014)

Von dem Gebrauch des Säbels oder den Gefechtsgriffen zu Pferd
Übersetzung von Alexander Kiermayer (2014)

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