Seminar „Bare-Knuckle-Boxing“

09.04.2016

Beispiele Bear-Knuckle-Boxing

Als Bare Knuckle Boxing wird Boxen ohne gepolsterte Schutzhandschuhe bezeichnet. Diese Trendkampfsportart war besonders in England im 18. und 19. Jahrhundert bei der Oberschicht beliebt. Dabei wurden die Techniken daraus auch als „self-defence“ System für Gentleman und Ladies angepriesen. Durch zunehmende Regulierung und mit der Einführung der Boxhandschuhe im Wettkampf wurde daraus schließlich das heutige moderne Boxen.

Interessant ist zu wissen, dass sein erster bekannter Vertreter in England ein gewisser James Figg war. Dieser war auch ein bekannter Fechtmeister und somit enthält die Boxkunst auch einige Parallelen zum historischen Fechten.

Unter der Leitung von Christoph Reinsberger (Trainer bei Ochs – historische Kampfkünste e.V. und TUS Garching, Abteilung 13, Boxgruppe) fand am 09. April 2016 von 10:00 bis 17:00 Uhr in Pfarrkirchen ein Seminar zum oben genannten Thema statt. Teilnehmer waren 18 Personen aus den Vereinen Ochs, TUS Garching Abteilung 13, Lichtenauer Fechter Wien und INDES Salzburg.

Nach einer kurzen geschichtlichen Einführung wurde auf die grundlegenden Züge des historischen Bare Knuckle Boxing Systems eingegangen. Dazu gehörte die Grundstellung (Guard), für welche vorwiegend die Linksauslage genutzt wurde und die zugehörige Beinarbeit. Den Teilnehmern wurden anschließend die verschiedenen Schlagtechniken wie der gerade, der runde, der Aufwärts- (Upper Cut) und Abwärtsschlag (Chopper) vermittelt. Dabei zu beachten war insbesondere das richtige Auftreffen der Hand mit den Faustknöcheln um diese vor einer Verletzung zu schützen. Auch die zugehörigen Abwehrtechniken mit dem zur Schlaghand des Gegners jeweils gegenüberliegenden Arm wurde vermittelt.

Nach einer einstündigen Mittagspause ging es fröhlich mit dem Einüben von doppelten Schlagkombinationen weiter. Das Fintieren als taktische Maßnahme, ebenso zum Repertoire eines damaligen Boxers gehörend, konnte ebenfalls entsprechend trainiert werden.

Um die Gemeinsamkeiten zum historischen Fechten aufzuzeigen wurde nicht nur das „Vor“ und „Nach“ Prinzip, sondern auch das „Indes“ gelehrt. Dies wird entweder durch eine gleichzeitige Anwendung von Abwehr und Angriff oder dem Meiden eines Angriffes, dem sog. „Ducking“ erreicht. Dabei weicht man dem Schlag des Gegeners durch seitliches Wegducken aus und setzt einen Gegenschlag (Counter).

Eine ca. halbstündige Kaffepause wurde dann nochmals zur Erholung der Teilnehmer genutzt um anschließend mit vollem Elan in den Rest des Tages zu starten. Da das Ringen, Greifen und Festhalten von den Regeln her damals oberhalb der Gürtellinie erlaubt war, wurde darauf extra eingegangen. Dazu gehörten verschiedene Formen des Ergreifens des Genicks (Chancery), dem Bearbeiten des Gegners dabei und auch das Lösen aus dieser Situation. Auch der eine oder andere Ringerwurf konnte zum Ende hin den Teilnehmern noch näher gebracht werden.

Das erfolgreiche Seminar fand seinen Ausklang letztendlich noch in einem fröhlichen gemeinsamen Abendessen, bei dem man das Erlernte des Tages noch einmal Revue passieren lassen konnte.

Benutzte Quellen zum Seminar:

  • Boxing – Devoted To The Art Of Self-Defence (J.E. Sullivan zugeschrieben)/li>
  • The Science Of Boxing (Prof. Mike Donavan); Hand Book to Boxing (Owen Swift)
  • Boxen (Dr. A. Luerssen); Self-Defense for Gentleman and Ladies (Colonel Thomas Hoyer Monstery)

Link zur Fotogalerie mit Eindrücken zum Seminar: Fotogalerie

Autor: Christoph Reinsberger
Redaktion: Thomas Heydenreich
Bildnachweis: Bilder entnommen aus „Doran’s science of self-defense“, Bart J. Doran, 1889, Digitalisat frei verfügbar auf archive.org (externer Link).
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Alexander Kiermayer und Stephanie Laaß-Reinsberger.

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